Monika Dittmann * Seelsorgerin
/

Infos*Angebote*Texte*Fotos 

 

Aktuelle Predigten ... und Texte

Es gibt für mich unregelmäßige Anlässe, zu denen ich das Wort Gottes betrachte, erschließe und weitergebe. Hier finden sich einige Predigten sowie Impulstexte...


für einen Gottesdienst im Advent

 

Hier der Josef,

er soll in die Krippe,

soll am Weihnachtsfest neben Maria stehen.

Ehrlicherweise steht er wirklich nur nebendran – an Weihnachten schaut alles auf Maria und das Kind.

Josef scheint nur eine Nebenrolle zu spielen.

Wer war dieser Josef?

Von Beruf war er Bauhandwerker – er plante, konstruierte, baute Häuser, bearbeitete Stein und Holz, war sein eigener Architekt und Maurer. Die Bezeichnung „Zimmermann“ entstand erst im Mittelalter – in den alten Schriften heißt es „tecton“.

Seine familiären Wurzeln liegen wohl in Bethlehem, seine Vorfahren zählten sich zu David, dem großen König Israels. Er lebt in Nazareth, sein Wirkungsort war wohl das benachbarte Sephoris, wo eine neue Residnez der römischen Herrschaft errichtet wurde. In Nazaraeth war er auch mit dem Mädchen Mirijam verlobt.

Als ihm seine Verlobte von ihrer Schwangerschaft berichtet, nimmt er zunächst an, sie sei fremdgegangen. Josef wird „gerecht“ genannt. Er befolgt das Gesetz des Mose. Da bleiben ihm eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Er könnte Maria anzeigen und als vermeintliche Ehebrecherin vor Gericht stellen. Das Urteil dafür ist im fünften Buch Mose vorgegeben: Die Frau soll gesteinigt werden. Die andere Möglichkeit wäre, ihr einen Scheidebrief auszustellen und sie zu entlassen. Dann wäre sie lebenslang geächtet, ihre Ehre wäre für immer angetastet. Josef will keins von beiden. Offensichtlich liegt ihm Maria trotz allem am Herzen. Er hat vor, Maria heimlich zu verlassen. Die Urteile würden dann nicht Maria, sondern ihn treffen. So würde er, der Schuldlose, alle Schuld auf sich nehmen und zum Vorbild für das Kind der Maria werden. Jesus aber wäre als uneheliches Kind einer verlassenen Braut geboren worden. Dieser vermeintliche Ausweg war aber nicht Gottes Weg.

Josef war im Begriff, sich selbst aufzugeben, nur um Maria nicht den Richtern auszuliefern.

Doch er sagt nicht „Jetzt reicht´s mir aber“; macht sich nicht aus dem Staub; und macht auch nicht von seinem Recht Gebrauch.

Da greift Gott ein.

In der Bibel wird uns berichtet, wie ein Engel Josef im Traum „aufklärt“: „Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen, denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist“. Welcher heutige Mann würde aufgrund eines Traums so handeln wie Josef? ER ist sehr ensibel für die inre Stimme Gottes.

Josef tut, was der Engel ihm sagt. Er heiratet Maria und übernimmt damit die Verantwortung als Vater.

Josef zieht ihn auf wie sein eigenes Kind.

Josef ist bereit, Gott zu folgen. Ein spannender Weg liegt vor ihm. Als der Befehl des Augustus zur Volkszählung kommt, muss er nach Bethlehem, um sich dort in die Steuerlisten eintragen zu lassen. So kommt es, dass er aus Nazareth aufbricht. Mit seiner hochschwangeren Frau macht er sich auf den Weg nach Bethlehem.

Dort geschieht das, was wir heute die „Heilige Nacht“ nennen: Jesus wird geboren.

Josef ist bereit, Gott zu folgen. Mit seinem Gehorsam trägt er seinen Teil zur Geschichte Gottes mit uns Menschen, zur Heilsgeschichte bei.

Von Josef hören wir dann nur noch, als er mit Maria zusammen den 12jährigen Jesus in Jerusalem sucht. Danach verschwindet er von der Bildfläche. Wenn von der Familie von Jesus die Rede ist, wird Josef nicht mehr genannt. Ist er früh gestorben? Es könnte sein, denn Jesus wird einmal „Sohn der Maria“ genannt. Aber wir wissen es nicht. Die Spuren von Josef verlieren sich im Dunkeln.

Josef – er kann die Unbilden des Lebens annehmen und sich den Krisen stellen, ohne an Gott zu zweifeln.

Josef – er kann sich auch damit abfinden, dass er nicht im Vordergrund steht.

Josef – er hört in all den Ereignissen seines Lebens sehr gut die Stimme Gottes in sich selbst.

Josef – er kann den unverständlichen Worten und Wegen Gottes trauen.

So wird Josef eine wichtige Gestalt der Heilsgeschichte.

Gottes Geschichte mit den Menschen hängt auch an dieser zurückgezogenen und stillen Person des Josef.

… und er ist eine wahrhaft adventliche Gestalt:

Er rechnet mit Gott im ganz alltäglichen Leben.

Bei ihm wird deutlich:

Wenn Gott im Leben zum Wirken kommt, dann wird das Leben, wird die eigene kleine Welt – aber auch die große Welt – neu.

Was hat dieser Josef mit uns zu tun?

Stehen wir nicht auch manchmal in Situationen, die uns überrumpeln? Die uns überfordern… die uns etwas abverlangen, das so gar nicht unseren Maßstäben und Vorstellungen entspricht?

Stehen wir nicht auch ab und zu in der Situation, dass wir zurückstehen müssen, dass andere groß rauskommen und wir selbst die Dummen sind.

Sind wir nicht auch manchmal an dem Punkt, wo es uns nahe liegt zu sagen – „Jetzt reicht´s mir aber“!“ … oder wo wir auf unserem Recht pochen wollen?

Ganz zu schweigen davon, dass wir in solchen schwierigen Momentan Gott eher anzweifeln, als dass wir in uns nach seiner Stimme lauschen.

Sie merken: Dieser Josef an der Krippe – er steht stellvertretend für uns da:

Auch wir dürfen dem Kind nahe kommen.

Auch wir – bei all unseren Schattenseiten und Zweifeln – wir sind eingeladen, Gott in diesem Kind zu entdecken und anzunehmen.

Dieser Josef steht dort an der Krippe stellvertretend für uns, die wir vielleicht keine große Rolle in unserer Zeit, in unserer Gesellschaft spielen. Für Gott sind wir dennoch bedeutsam.

Dieser Josef steht dort an der Krippe stellevertretend für uns, die wir so manches nicht verstehen in unserem Leben.

Dieser Josef steht dort an der Krippe stellvertretend für uns, die wir die eine oder andere unvorstellbare Zumutung im Leben aushalten mussten und müssen.

… und dieser Josef steht dort,

um uns zu ermutigen:

Komm auch her,

komm in die Nähe dieses Kindes.

Es will auch dein Kind, deine Freude, deine Hoffnung auf eine gute Zukunft und auf Erlösung sein- auch wenn das momentan nicht so aussieht, nicht so zu erkennen ist.

Wage dich, Dich dazuzugesellen zu der Heiligen Familie, die doch so alltägliche Sorgen und existentielle Nöte hatte – komm dazu.

Mit deinem eigenen Leben,

dann wirst Du erleben:

dieses Kind kann groß werden in dir.

Dieses Kind wird dich lehren, wie man das Leben lebt – in Not und Kummer genauso, wie in Glück und Reichtum.

Dieses Kind wird dich lehren zu teilen und zu lieben,

zu trösten und zu glauben – gegen alle scheinbaren Unglaublichkeiten deines Lebens.

Sehen Sie:

Der Josef spielt nicht wirklich eine Nebenrolle – er ist wichtig für uns.

Und wir spielen im Heilsplan Gottes auch keine Nebenrolle – denn wir sind wichtig – für Gott.

Sonntag, 14. Oktober 2018 - 28. Sonntag im Jk B

Ein junger Mann will Christus nachfolgen.

Er war fromm und gottesfürchtig, lebte nach den Geboten und hatte Sehnsucht danach, sein Leben in Gottes Gegenwart wiederzufinden. Er wollte Anteil haben am Reich Gottes. Sein Leben sollte sich bei Gott vollenden.

Er war fromm …

und er hatte keine Not, zu leben; er konnte zufrieden sein mit dem, was er hatte.

Die meisten unter uns können heute auch sagen:

Ich bin zufrieden mit dem, was ich habe.

Ich bin reich, muss mich nicht um meine Existenz sorgen.

Die meisten unter uns müssen weder hungern, noch bleibt uns die Medizinische Versorgung versagt.

Die meisten von uns können zufrieden sein mit dem, was sie erreicht haben.

Vielleicht sind wir nicht extrem reich,

vielleicht sind wir nicht großartig erfolgreich.

Vielleicht sind wir nicht aufgestiegen zu den obersten Zehntausend – aber wir dürfen doch sehr zufrieden sein.

Wir leben in einem Land, das uns Sicherheit und Wohlstand gewährt; ein Land, das uns viele Möglichkeiten eröffnet, Freiheit erhält und Sicherheit gibt.

Ein Reichtum, der weit über Besitz hinausgeht.

.. und wir sind – ähnlich wie der junge Mann – heute Morgen Jesus auf der Spur.

Indem wir heute Morgen hier sind, wollen wir von ihm gute Worte hören.- Wir wollen schließlich – letztlich – in den Himmel kommen. (Wie auch immer wir das uns vorstellen… )

Haben wir auch die Sehnsucht, die in diesem Mann aufsteigt?

Stellen wir Jesus auch Fragen?

Fragen, die unser Leben, unsere Zukunft, das Gelingen unseres Lebens betreffen?

Gibt es tief in uns auch die Suche danach, wie unser Leben gut wird, erfüllt ist, schließlich in Gott sich vollendet?

Oder treiben uns nur vordergründige Fragen um…wenn wir mit Gott reden, beten…?

So nach dem Motto:

·        Warum muss ich so leiden?

·        Wieso geht es mir nicht so gut wie meinem Nachbarn?

·        Warum ausgerechnet ich?

·        Wie habe ich das verdient?

·        Für was strenge ich mich überhaupt an?

·        Warum ist mein Leben so kompliziert,

·        Warum bleiben so viele Fragen offen?

Der junge Mann richtet seinen Blick himmelwärts, weg von seinen vielen kleinen Problemen.

Der junge Mann lebt so, dass er Gott gefallen kann – er jammert nicht um sein Leben,

er stellt keine Fragen zu seiner Vergangenheit – die scheint er angenommen zu haben.

Sein Blick, seine Frage geht himmelwärts.

In ihm rumort eine Sehnsucht, die ihn Wesentliches suchen lässt,

die ihn Gott und die Heimat bei Gott suchen lässt.

Mit was wenden wir uns an Jesus in unseren stillen Stunden,

oder auch im Gebet hier in der Kapelle?

Den jungen Mann jedenfalls schaut Jesus zärtlich und liebevoll an.

… aber dann….

Seine Antwort ist verblüffend:

Eins fehlt dir noch: Richte deinen Blick auf die Armen.

Sorge nicht für dich selbst, sondern schau darauf, was andere benötigen.

Teile, gib anderen Anteil an dem, was dich reich und zufrieden, satt und frei macht.

Gib denen Anteil an deinem Reichtum, an dem, was du dir erarbeitet und erwirkt hast.

Was antwortet Jesus uns heute?

Jedem / Jeder einzelnen von uns – hinein in unsere Lebenssituation…

Was ist unser Reichtum, den Jesus in den Blick nimmt?

Wissen, Erfahrung, Zufriedenheit, Hoffnung, Kraft, Wohlstand, Luxus und … oder zumindest Sicherheit?....

Was ist das, was wir teilen können?

Jesus macht deutlich:

Es geht zuerst nicht darum, dass wir in den Himmel kommen,

es geht zuerst darum, dass wir ein Stück des Himmels, die Liebe Gottes auf die Erde bringen.

Es geht zuerst darum, dass wir am Reich Gottes bauen – und das offenbart sich nicht in frommen Worten und Ritualen,

sondern zuerst einmal darin,

dass Arme Hoffnung schöpfen können,

dass Traurige Trost finden und eine Antwort finden in unserer Zuversicht und unserem Glauben.

.. dass Armut ein Ende findet, Ungerechtigkeit bekämpft und Barmherzigkeit gelebt wird.

Gefragt sind

Gaben, die uns gegeben sind, dass wir geben.

Begabungen, die uns gegeben sind, dass wir weitergeben.

Lebenserfahrungen, die wir gemacht haben, damit andere darin ihren eigenen Weg finden.

Und auch der immense Überfluss und unser hoher Anspruch, der anderen Menschen das Lebensnotwendige abgräbt.

Der junge Mann scheint gescheitert zu sein an den Worten Jesu.

Der junge Mann ging traurig weg – weil er ahnte:

Das kann ich nicht.

Das ist zu schwer für mich.

Da stoße ich an meine Grenzen.

.. vielleicht auch: das will ich nicht.

In der Lesung zuvor haben wir gehört:

„Ich betete, und mir wurde Klugheit gegeben. Der Geist kam zu mir.“

Ich denke, das ist der Weg!

Gerade dann, wenn wir durchaus auch an unsere Grenzen stoßen,

wenn wir manches nicht wollen, nicht können –

aber wenn wir offen sind,

Gott um das bitten, was wir wirklich brauchen,

dann schenkt er uns Weisheit.

Weisheit – das ist in der Bibel nicht einfach nur Klugheit und großes Wissen. Das ist ein tiefes Verständnis nicht nur für Mensch, Erde, Schöpfung, Natur und Gesellschaft. Weisheit – das ist Anteil haben am Gottesgeist. Weisheit, das ist Denken, Fühlen und Handeln aus der Gesinnung Gottes heraus.

Um was bitten wir vor Gott?

Was hat bei uns Priorität –

Unsere Gesundheit, unser Wohlergehen, Problemlösungen oder Silber und Gold (wie es in der Lesung hieß)?

… oder geht es uns zuerst darum,

vom Geist Gottes bestimmt zu werden?

Dann erkennen wir, wo wir was und wie einsetzen können,

damit das Reich Gottes unter den Menschen reifen kann…

Und, damit Menschen erfahren:

Dieser Gott ist tatsächlich ein Gott der Liebe,

der mich nicht vergisst,

der mir zugewandt ist,

der um mich weiß.

Möglicherweise erfahren wir dabei auch immer wieder unsere Grenzen –

Die Gesundheit wirft uns zurück,

Schmerzen und Hinfälligkeit bremsen uns aus,

Probleme in der Familie erschüttern uns,

Verluste und Scheitern plagen uns.

Manchmal haben wir das Gefühl:

Nichts geht mehr…

Wer kann dann in den Himmel kommen?

Wer findet dann zu einem gelingenden Leben?

Wer wird dann jemals vor Gott Wohlgefallen finden?

Jesu Wort ist tröstlich und macht Mut:

Für Gott ist alles möglich.

Auch für Jesus, der keine großen Erfolge vorweisen kann – im Gegenteil: immer mehr Feinde bekommt,

im Garten in Todesangst ringt es, schwitzt er Blut,

am Kreuz scheitert er scheinbar.

… für Jesus wird gerade in all seiner Schwachheit deutlich:

Gott ist für das Leben.

Die Weisheit, die uns gegeben wird,

ist die Ahnung:

Gott gibt uns, was wir hier auf Erden benötigen,

damit wir geben, was andere benötigen,

damit wir gemeinsam finden, was wir alle gemeinsam erhoffen:

Befreiung, Erlösung, Fülle und das Leben in der Gegenwart Gottes.

Ich bin überzeugt davon:

So wichtig uns die Zukunft im Himmel, bei Gott ist,

so wichtig muss uns auch die Gegenwart hier auf Erden sein.

Uns muss klar sein:

Nicht nur die Zukunft im Himmel, sondern auch zunehmend die Zukunft unserer Gesellschaft hängt davon ab, ob wir teilen und lieben können, ob wir barmherzig und wohlwollend sein können. Ob wir von uns wegsehen können.

Der junge Mann ging traurig weg – wie werden wir heute aus dem Gottesdienst hinausgehen?

Was sagt uns heute Morgen Jesus, welches Wort, welcher Rat, welcher Impuls kommt in meinem Herzen heute an?

 

Sonntag, 29. Juli 2018 - 17. Sonntag im Jk B

 

Wahrscheinlich haben Sie den Bericht von der Speisung der vielen Menschen schon gehört. Oft wird sie „Brotvermehrung“ genannt.

Das, was da geschieht, wird ein Wunder genannt.

Wie kam es zustande?

1.Jesus hat aufgefordert, sich zusammenzuschließen.

Und

2. Jesus hat gefordert zu teilen.

 

So war der Blick weg von sich selbst gegeben. Wer hatte, brachte das ein.

Im Zusammenschluss konnten sie nicht einfach für sich behalten, was sie in den Taschen und Beuteln mit sich trugen.

So geschah das Wunder.

Jesus hat an ihre Herzen appelliert, nicht nur sich selbst zu sehen.

Jeder schaute, was er hatte – und siehe da, gemeinsam waren sie reich genug zu teilen und das Wunder geschehen zulassen.

Als ich mich auf den Godie vorbereitete, erstmals die biblischen Texte las, war mein spontaner Gedanke –

Diese beiden Texte müssen heute, in unserer Zeit allen Menschen ans Herz gelegt werden, besonders den Gegnern der Hilfe für Geflüchtete und Schwache.

Aber auch all den Skeptikern, die fürchten, dass wir es nicht schaffen, Hilfe zu leisten-

Es nicht schaffen - vielleicht ist das der wahre Grund – nicht schaffen zu teilen.

Wieviel Angst herrscht in unserem Land, dass wir unseren Reichtum teilen müssen.

Wir waren nie so sicher, nie so reich, nie so wohlhabend.

Wer sich an die Zeit nach dem Krieg erinnert:

Da haben viele das Wenige geteilt, das da war.

Mehr noch: die Bürgermeister gingen durch das Dorf und befahlen, einzelne Zimmer für Geflüchtete Menschen bereitzustellen.

In der damals viel ärmeren Zeit kam die Order von oben, noch zu teilen.

Sich selbst einzuschränken, herzugeben und Raum zu schaffen für die Fremden.

Heute?

Unser Wohlstand ist immens – keiner muss mehr ein Zimmer hergeben,

niemand muss mehr Geflüchtete bei sich arbeiten lassen unter Zwang.

Unser Staat hat reichlich Möglichkeiten und es bedarf nur der Offenheit aller Menschen.

Jesu Wort an uns ist nicht mal mehr „Gebt ihr ihnen zu essen!“ … denn wir haben ein funktionierendes Sozialsystem.

Aber – haben wir auch ein funktionierendes gutes Herz?

Sind wir bereit, offen für Fremde.

Viele Menschen haben sich reichlich investiert – und sie alle sind dankbar für ihre Erfahrungen mit den fremden Menschen. Sie fühlen sich bei allem Engagement reich beschenkt durch die Begegnungen, Gespräche und gemeinsamen Erlebnisse.

Anderer haben es noch nicht begriffen:

Wer teilt, wird reich beschenkt.

Wer teilen kann, erfährt Fülle.

Wer sich mitteilen kann – statt zu murren, zu protestieren, sich abzugrenzen – erfährt einen Reichtum, der nicht mit Geld zu bezahlen ist.

In der atl. Leung hörten wir;

die Erntedankgaben für den Gottesdienst sollten stattdessen an die Hungernden verteilt werden.

Und drauf stand Gottes Verheißung: es wird noch übrig sein.

Uns Menschen plagt oft die Angst, zu kurz zu kommen.

Uns Menschen plagt oft die Sorge, uns könnte etwas abgehen, was uns zusteht.

Uns Menschen ärgert es oft, wenn andere etwas bekommen, was ich nicht habe – ob ich es unbedingt brauche oder nicht.

Wer Jesus richtig verstanden hat, weiß:

Ich bin gerufen, zu teilen.

Wer Jesus zu sich sprechen lässt, der muss nie Angst um sich selbst haben – auch Entbehrungen werden nicht schaden.

Das ist im großen Weltgetümmel nicht anders als in unserem kleinen persönlichen Leben.

Wo wir Zeit für andere (Enkel, Kinder) haben, statt nur für uns zu leben und uns einzuigeln, da werden wir reich beschenkt.

Wo wir die Not eines anderen sehen und nicht übersehen, kommen wir in Kontakt, finden wir Gemeinsamkeiten, hören wir ein Danke oder sehen wir strahlende Augen.

Wo wir trotz unserer Schwachheit und Krankheit einen Blick für den Nachbarn im Zimmer oder für die immer rennende Schwester haben, und ihnen ein gutes Wort oder eine Unterstützung anbieten, da wird die Welt für alle ein wenig freundlicher.

Was wir im Kleinen können, ist auch nötig für die gesamte Gesellschaft.

Gebt ihr Ihnen zu essen.

Wissend, dass der Mensch nicht nur vom Brot lebt, meint das auch:

Hilfeleistung, Entgegenkommen, Untertützung, ein freundliches Wort, Zeit oder eine helfende Hand … vielleicht sogar meinen Einsatz der Gaben und Befähigungen, die mich besonders auszeichnen.

In beiden Texten war da auch der Zweifel:

„Was sollen wir anfangen mit Brote für 200 Denaren bei so vielen Menschen?“

Und in der Lesung: „Wie soll ich das Bisschen so vielen Menschen vorsetzen?“

… es war gut, dass sie es versucht haben – Nur so kann Gott Wunder wirken – damals

und auch heute in unserer reichen Welt.

Wer teilt, kommt nicht zu kurz.

Es ist genug für alle da – damals wie heute.

Das ist gewiss.

… und:

Wo geteilt wird, da wird Gott offenbar.

Denn wo Liebe und Güte wohnt, da wohnt Gott.

 

 

Dreifaltigkeitssonntag 27. Mai 2018

 

Wie schwer ist das Verstehen,

wenn wir von der Dreifaltigkeit, der Trinität sprechen.

Man kann das nicht denken. Gott ist nicht zu denken.

Er ist ein Geheimnis.

Aber „denken“ – das ist ein Hinweis für uns.

Wenn wir von der Dreifaltigkeit reden, dann benutzen wir ein Denkmodell.

In Wirklichkeit ist Gott nicht zu fassen, nicht zu erklären, nicht zu erkennen. Aber das Denkmodell von der Dreifaltigkeit hilft uns, zu erahnen, wer Gott für uns ist.

 

In Äthiopien gibt es ein wunderbares Wort,

das uns ein wenig helfen kann:

Es heißt:

Gott ist dreifaltig –

nicht dreifach;

vergleichbar mit der Sonne:

der Kreis ist Gott Vater,

das Licht ist Gott Sohn,

die Wärme ist der Heilige Geist

 

Die Sonne, sie existiert und ist als runde Scheibe für uns zu sehen, man kann sie aber nicht wirklich anschauen, das würde unsere Augen erblinden lassen – aber sie ist da, Grundlage unseres Lebens – So ist Gott, der Schöpfer und Vater unsere Lebensgrundlage. Wir dürfen sicher sein, dass unser Leben von IHM her gewollt und geliebt ist – auch wenn wir IHN nicht sehen können.

 

Die Sonne, sie bringt Licht in unser Leben. Wir sind nicht der Finsternis ausgesetzt. Können uns orientieren. Zwar können wir die Sonnenscheibe nicht anschauen, aber das Licht gibt uns die Sicherheit, dass sie da ist und es gut mit uns meint. – So ist uns Jesus zum Lichtbringer geworden, der sich jenen zuneigt, die bedürftig sind, die am Rande leben, die hoffnungslos aufgegeben haben, die im Leben und im Tod mit den Schatten und Dunkelheiten ihres Lebens kämpfen. Wir dürfen im Wort Jesu und im Brot, das er uns reicht, in seinem Sterben und Auferstehen das Licht unseres Lebens erfahren. Können weitersehen und haben Orientierung.

 

Die Sonne, sie wärmt und die ganze Schöpfung lebt von dieser Energie. – So ist der Heilige Geist die Lebensenergie Gottes, die uns gegeben ist. Sein Trost, sein Mut, seine Weisheit und seine Freude ist die göttliche Lebenskraft, die wir so nötig brauchen, wenn wir zum Leben finden wollen,

nicht im Klagen und Verzweifeln stecken bleiben möchten.

 

Gott ist dreifaltig –

nicht dreifach;

vergleichbar mit der Sonne:

die runde Scheibe ist Gott Vater,

das Licht ist Gott Sohn,

die Wärme ist der Heilige Geist

 

Freilich,

wir machen uns damit kein Bild von Gott –

Gott ist nicht die Sonne,

er ist der Schöpfer auch dieses wunderbaren Sterns.

Aber im Bild der Sonne geht uns etwas auf von unserem Gott, der uns doch alle so sehr ins Herz geschlossen hat.

 

Nach dem Islam ist Allah der Einsame … wie ungnädig können einsame Menschen sein! Wie verbittert und fordernd, wie autoritär und ichbezogen!

Das Bild von der Dreifaltigkeit sagt uns:

Gott ist nicht der Einsmae sondern in sich selbst Gemeinschaft und immer auf das Du bezogen.

Wir dürfen uns darauf verlassen:

 

Gott ist unsere Herkunft, unser Ursprung, unsere Heimat, eine Heimat der unvoreingenommenen Liebe – und er meint jeden von uns.

 

Gott zeigt dieses Gesicht, das menschliche Angesicht Gottes in Jesus, damit alle Menschen es erkennen können, ihm nicht mit Angst begegnen müssen. Jesus ist immer auf den menschen bezogen.

 

Gott gibt uns für die Gegenwart seine liebesmächtige und tröstende Gotteskraft, dass wir im Jetzt bestehen und die Hoffnung auf das Leben in der Vollendung bei Gott nicht verlieren. Der Geist befähigt uns, nicht als Egoisten zu leben, sondern den Nächsten zu sehen und mit ihm zu leben.

 

Das Denkmodell für uns – die Dreifaltigkeit – macht uns mit dem Beispiel von der Sonne einiges ein wenig klarer:

Gott ist! – Punkt! – nicht: wie?

Gott orientiert uns.

Gott ist in uns als göttliche Kraft und Weisheit.

 

Und doch ist es der EINE Gott.

Wenn wir in unserem Beten und Singen uns ihm zuwenden,

dann mit hilflosen Worten und behinderter Sprache.

Wenn uns das bewusst wird im Laufe unseres Lebens,

dann wachsen wir aus den Kinderschuhen des Glaubens hinaus –

und bleiben vielleicht mehr schweigend als sprechend hängen an dem einen

in Liebe und Anbetung gestammelten Wort „Gott“.

 

Wenn unser Glaube aus den Kinderschuhen hinausgewachsen ist, dann haben wir nicht mehr den alten Mann und Vater mit Bart vor Augen, nicht mehr einen Sohn, der dem Vater aus dem Gesicht geschnitten ist – und auch nicht eine diffuse Vorstellung von einem Geist…

 

Dann ist uns Gott nahe als tiefe Erfahrung von Liebe und Nähe, von Treue und Trost.

Dann – genau dann – haben wir ein wenig vom Geheimnis Gottes erfahren.

 

 

 

 

Ostermontag, 2. April 2018

 

Das tote Holz ist wieder grün.

Es erzählt vom Leben.

Um den toten Baumstamm herum blüht das Leben wieder auf.

Das ist ein Wunder.

Genau das ist Ostern.

Neues Leben keimt im Tod.

 

Das, was wir kaum verstehen können:

Jesus ist auferstanden,

dem können wir uns nur in Bildern und vergleichen nähern.

 

Die Jünger waren sprachlos, erst mal verängstigt.

Die Frauen am Grab irritiert.

Und die Schreiber des Evangeliums rangen mit Worten,

suchten Bilder um das zu verdeutlichen,

was die Jünger erlebt haben.

 

Sie waren noch ganz gefangen in ihrem Schmerz.

Sie waren hängen geblieben bei der Vergangenheit und erzählten von Jesus. Erzählten sich, wie es damals war, als Jesus noch in ihrer Mitte war.

Doch das war vorbei.

 

Sie wollten nur noch weg.

So verließen sie Jerusalem.

Vielleicht wollten sie zurück in ihr altes Leben nach der großen Enttäuschung.

 

Sie hatten so gehofft,

So gehofft, dass ihr Freund Jesus das Heil bringen würde.

Aller vorbei.

Tot – aus – Grab leer –

 

All das geht ihnen durch den Kopf,

… und mehr noch, als ein Fremder auf dem Weg zu ihnen stößt, müssen sie bei ihm ihre ganze Not und Ihren ganzen Frust,

ihre Enttäuschungen abladen.

 

Sie erzählen, was gewesen ist.

Und sie bleiben auch mit ihrer Enttäuschung nicht hinter dem Berg.

Alles, was sie umtreibt, bringen sie ins Wort.

 

Und der Fremde hört geduldig zu.

Er wischt ihren Schmerz nicht weg.

Er ist sehr einfühlsam – und verbindet dann all ihre Erinnerungen mit den alten Schriften der Propheten. E scheint bibelfest zu sein. Weiß, was so schnell vergessen geht, wenn man meint, Gott verstanden zu haben. Jesus sicher zu haben.

 

Schon immer hat das jüdische Volk gewusst:

Der Messias,

der, der kommt um eine Heilszeit zu begründen,

der kommt nicht als strahlender Herrscher,

der kommt nicht mit Soldaten und Kriegsgeschrei –

der kommt und nimmt Leid auf sich,

hält aus, was man ihm auflädt,

erträgt, was man ihm zumutet,

nimmt an, was man ihm vorwirft –

und durchbricht durch seine Gewaltlosigkeit den Kreiskauf von Gewalt, Unfriede und Verderben.

 

Der Messias MUSS leiden.

Denn nur so erkennt die Menschheit:

Gott ist bei den Rechtlosen,

Gott leidet mit und ist genauso ohnmächtig, wie der Mensch.

 

Gott ist nicht der Strahlemann, der aus höchsten Höhen zuschaut, was dem Menschen geschieht,

nicht der, er Zuschlägt, wenn er menschliche Ungerechtigkeit sieht,

sondern,

er stellt sich mitleidend an die Seite der Menschen –

um ihnen zu offenbaren:

 

Es gibt mehr.

Nach allem Leid geht es weiter.

Nach Schmach und Schuld, bist du nicht verloren.

Nach dem Tod blüht das Leben neu auf.

Ja, Ostern sagt uns:

Es geht weiter – aber anders.

 

Bis die Jungfer das begriffen haben, sind sie gegen

Abend im Dorf Emmaus angekommen.

Sie müssen einkehren. Und sie bitten den Fremden, bei ihnen zu blieben. Offensichtlich hat er ihnen gut getan.

 

Ihnen war das Herz leicht geworden,

die Trübsal hat sich gelichtet,

die Hoffnung und das Vertrauen kamen zurück,

sie konnten Jesu in einem neuen Licht sehen –

als den leidenden Gottessohn.

 

Und so laden sie ihn ein,

brechen mit ihm das Brot –

und erinnern sich –

an das letzte Abendmahl.

Damals hat er Brot gebrochen.

Damals hat er gesagt:

Tut dies immer wieder zu meinem Gedächtnis.

 

Jetzt, beim Brotbrechen da fällt es ihnen wie Schuppen von den Augen:

 

Bei ihrer Klage schon war Jesu mit inne.,

Und jetzt, beim gemeinsam Mahl, beim Brotbrechen, war er auch in ihrer Mitte.

 

Das ist Ostern:

Jesus zu erleben, wenn man in der Klage und in der Enttäuschung Beistand spürt, Gemeinschaft erlebt und die Worte der Heiligen Schrift uns neu erschlossen werden.

Das ist Ostern, wenn das Leid und der Schmerz plötzlich eine heilsame Bedeutung bekommen.

Das ist Ostern, wenn uns das Herz brennt und wir plötzlich Dinge erkennen, die unserem Leben eine neue Sichtweise geben.

Und das ist Ostern, wenn wir in der Gemeinschaft das Brot brechen und dabei erkennen: Jesus ist bei uns.

 

Für die Emmausjünger war das im Nachhinein ganz klar:

Jesus lebt.

Sie sind wieder aufgelebt.

Und diese Botschaft mussten sie loswerden – und sie rannten zurück-

Dorthin, wo sie einst Frust, Enttäuschung und Hilflosigkeit erfahren hatten-.

 

Dort, wo Trauer herrscht – dorthin muss – bis heute - unser Glaubenszeugnis:

 

Ja, Jesus lebt,

er hat auch in meinem Leben, auf meinen schweren Wegen,

in meinen Trauerstunden seinen Platz und hier, im Brotbrechen, in der Gottesdienstgemeinde,

oder auch dort, wo Menschen gemeinsam das Wort Gottes teilen … da ist er lebendig.

 

Wie auch immer das damals in Jerusalem war …

Dieser Holzbalken ist nicht das letzte!

Neues Leben ist immer wieder möglich – in uns, in unserem Leben, in den dunklen Stunden –

Und auch nach dem Tod.

 

Dieser Holzbalken, der uns vom Leben erzählt, ist ein Zeichen.

 

Der Stamm des Kreuzes wurde für uns zum Baum des Lebens.

Die Emmausjünger haben es erlebt.

Gespürt.

Und es ist an uns,

mutig von unserem Leid zu sprechen – und darin die tröstenden Worte zu hören, die Gott oft im Menschenwort versteckt.

 

Dann spüren wir:

Jesus lebt – mitten unter uns. Tief verborgen in unserem Leben und Leiden und Hoffen.

 

 

Ostersonntag, 1. April 2018

 

Heute ist Ostern – Jesus ist auferstanden.

Und das ist kein Aprilscherz!

Die Botschaft von Ostern will uns nicht aufs Glatteis führen, uns nicht an der Nase herum führen und auch nicht verärgern.

Aber –

um ehrlich zu sein –

Verunsichern tut sie uns schon.

 

Denn – was ist das - Auferstehung?

Und - was bedeutet das –Auferstehung?

Dafür gibt e keine mathematische Lösung,

keine klare Definition,

keine logische Erklärung –

und doch feiern Christen seit zweitausend Jahren das Osterfest –

als Fest der Hoffnung.

 

Ostern sagte uns:

Das Leben geht weiter

nach aller Finsternis und Trier,

nach Sorge und Leid,

nach Verzweiflung und Angst,

nach Not und Elend,

nach Schmerz und Ratlosigkeit –

und nach dem Tod.

 

Ostern will uns aufrichten.

Jesus hat den Kreuzestod durchlitten,

hat sich nicht gedrückt,

ist nicht auf und davon – sondern hindurch.

Das macht stark.

Und es verdeutlicht:

Gott kennt auch Ohnmacht und Schmerz,

Gott kennt auch den Tod.

 

Wir sind also nicht alleine in unseren dunklen Nannten, in den kleinen und großen Toden, die wir täglich sterben, wenn wir unsere Grenzen und unser Unvermögen erkennen.

Wir sind nicht allein im letzten Tod.

Auch da ist Gott gegenwärtig und bereitet uns ein Leben auf der anderen Seite

Ein Leben ohne Angst und Sorge,

ein Leben ohne Scham und Schuld,

ein Leben ohne Leid und Schmerz,

ein Leben – herausgelöst aus allem, was uns bedrängt.

Gelöst nach aller Bedrängnis,

erlöst..

Ostern sagt uns:

Das Leben geht weiter – wenn auch anders.

 

Die Jünger damals waren verwirrt,

die Frauen irritiert,

die Evangelisten, die es aufschrieben, fanden kaum Worte, die einleuchten könnten…

Ostern kann man nicht erklären, nicht in Worte fassen,

…aber man kann es leben

jeden Tag, wenn wir die Kraft der Hoffnung zulassen.

Jeden Sonntag, wenn wir den Auferstehungstag bewusst feiern als einen Tag des Lebens.

Und jeden Morgen, an dem die Sonne aufgeht – in der Ahnung, dass uns am Ende des Lebens ein neuer Tag erwartet, der heller und heiliger, vollkommener und ganz anders ist, als der sonnigste Sonntag in dieser Welt.

 

In diesem Sinne:

Lassen sie uns heute Osterkraft tanken, dass wir als österliche Menschen leben – und uns gegen die Trostlosen und Nörgler des Lebens stellen.

Nein, Ostern ist kein Aprilscherz – wir sollen nicht an der Nase herumgeführt werden,

sondern Hoffnung und Zuversicht finden,

dass wir sicher und angstfrei durchs Leben gehen.

Auch durchs Altwerden.

 

 

Karfreitag 2018

 

Hier vorne steht ein Kreuz – aus einem Baumstück – eher ein Ast als ein Stamm.

 

Aber zumindest wird uns klar:

Das Holz des Kreuzes war nicht aus Teakholz,

war kein Edelholz,

war nicht gehobelt und geglättet,

war nicht für Jesus besonders hergerichtet.

 

Für ihn galt das, was für jeden gelten musste, der am Kreuz hing.

Jesus hatte keinen Sonderstatus als Sohn Gottes.

 

Er wurde unter die Verbrecher gezählt – und war es ja auch in den Augen derer,

die an Macht und Ehre festhalten.

Er war ein Verbrecher für jene, die sich selbst zum Gott machten.

Er war auch ein Verbrecher für jene, die Gott auf einem hohen goldenen Thron, unerreichbar und über alle erhöht sahen.

Die einen herrschenden Gott in seiner Allmacht vor Augen hatten.

Wer so von Gott dachte, musste Jesus anprangern.

 

Denn Jesus hat einen Gott verkündet der den Menschen dient,

der mit ihnen leidet, der den Armen sieht und nicht wegschaut.

Jesus hat einen Gott verkündet und verkörpert,

der den Menschen an die Seite tritt.

Gott, der das Leiden der Welt nicht wegzaubert, sondern an der Seite der Menschen mitleidet.

… und der Leidensursachen überwindet und dadurch heil macht.

 

Das hat viele in ihrer Weltsicht erschüttert – und sie entlarvt als jemand, der nicht Gott, sondern an einen Götzen glaubt.

Denn Gott ist anders- das hat Jesus verkündet, vorgelebt und mit seiner eigenen Leidensgeschichte sich auch selbst zu eigen gemacht.

Er war sich nicht zu schade, Füße zu waschen.

Er war sich nicht zu schade, Aussätzige zu berühren.

Er war sich nicht zu schade, mit Frauen und gesetzlosen in Freundschaft zu sein.

 

So hat er den Menschen ihre Würde gegeben.

Das konnten die Machthaber nicht ertragen.

Sie, die Arme unterdrückten, Aussätzige ausgrenzten und Schwache übersahen.

Dadurch wurde die wahre Schuld offenbar:

Die Schuld derer, die ausgrenzen und den Menschen schinden.

 

In Jesus wird offenbar:

Gott ist Liebe –nicht Verurteilung.

Gott ist Barmherzigkeit – nicht Strafgericht.

Ganz und gar ist Jesus dafür eingestanden – und das hat ihn das Leben gekostet.

Ihn, Jesus, weil er für Gott unter die Menschen ging.

Weil er für Gott die Liebe sichtbar machte.

Jesus macht deutlich:

Gott selbst leidet mit uns Menschen.

Mit unserem Schmerz und Traurigkeit, mit dem Altwerden und all den Einschränkungen, mit all den Sorgen und Kümmernissen,

Gott leidet weil er liebt.

liebt, weil wir sein Abbild sind.

Weil er uns geschaffen hat

Weil er uns zur Liebe und zur Freiheit geschaffen hat.

Er sieht, wie das nicht gelingt.

Gott leidet – weil er liebt.

Liebe macht verletzbar.

Liebe macht verwundbar – und mit dem Tod Jesu erkennen wir endlich:

Gott ist in Jesus verwundbar, verletzlich – also liebt Gott auch ohne Einschränkung.

Nur ein verwundbarer Gott kann lieben – und retten.

Echte Liebe rechnet nicht.

Echte Liebe sucht nicht, die eigene Haut zu retten.

Echte Liebe zieht sich nicht aus der Affäre.

Echte Liebe leidet mit.

Deshalb landete Jesus am Kreuz.

… ohne sich zu wehren.

Jesus hatte keinen Sonderstatus als Sohn Gottes – deswegen musste auch er – wie wir alle – leiden und sterben.

 

Dieser Holzstamm, so karg, elend und verrottet macht deutlich:

Jesus hat sich nicht geschont,

weil Gott sich nicht schont.

Gott liebt bis zur Verzweiflung –

Einen jeden und eine jede von uns.

Die Leidenschaft Gottes ist der Mensch.

Es ist eine Leidenschaft die Leiden schafft.

 

Dass wir doch endlich ahnen können:

Gott ist verliebt in uns Menschen – deshalb kann er uns im Leid und im Tod nicht alleine lassen.

Er stellt sich an unsere Seite im Gekreuzigten.

… aber auch im Auferstandenen.

 

Wenn wir gesungen haben

„Christus war für uns gehorsam…“ – dann nicht in dem Sinne,

dass Gott es von ihm gefordert hätte.

Gehorsam in dem Sinne, dass er bis zuletzt seinem Glauben und Vertrauen in Gott folgte ohne aufzugeben.

Er nahm an, was sein Weg der Barmherzigkeit und Liebe nun für ihn bereit hielt.

Er war konsequent und treu.

Und wir wissen:

Der Tod hat nicht das letzte Wort.

Gott hat das letzte Wort!

– und das ist schon seit der Schöpfung ein „Ja“ zum Menschen und zum Leben.

 

Dieser Holzbalken hier vorne,

ungehobelt und grob erinnert uns:

Gott ist sich nicht zu schade.

Und für Jesus wird keine Ausnahme gemacht – auch er leidet –

Es gibt keinen Sonderstatus für Jesus.

Er stirbt und wird auferstehen –

Wie auch wir sterblich sind und in der Liebe Gottes uns finden werden.

 

3. Sonntag im Jahreskreis B - 21. Januar 2018

 

Einführung:

Wer Autofahrer ist, der kennt das: Manchmal gerät man in eine Sackgasse – dann muss man umkehren. So – in die Richtung – kann es nicht weitergehen.

Auch unser Lebens gerät manchmal in einen Sackgasse.  Irgendwann kommt dann die Erkenntnis: so kann es nicht weitergehen, ich muss etwas ändern. Wenn es gut werden soll, muss ich eine andre Richtung einschlagen.

Heute hören wir in den beiden biblischen Texten auch von „Umkehren“. Bei Jesu Worten spielt das aber nicht erst eine Rolle, wenn es aussichtslos ist, wenn das Kind sozusagen in den Brunnen gefallen ist. Er ruft zur Umkehr auf, damit erst gar keine Lebenspanne, kein Scheitern, keine Ende mit Schrecken gibt; das wir unser Leben nicht an die Wand fahren (also keine Perspektive mehr haben), sondern das Reich Gotte in seiner ganzen Fülle im Leben erfahrbar werden kann.

Ärgerlich, wenn man in eine Sackgasse gerät!

Und manchmal ist es ganz schön schwierig, umzudrehen.

Der Jona, von dem wir in der Lesung gehört haben, hat ds schon hinter sich.

ER hatte die Aufforderung Gottes schon mal gehört,

und sich gedrückt, war davongegangen, mit dem Schiff geflohen und wollte diese unangenehme Aufgabe Gottes nicht ausführen.

Das war ihm zu schwierig. Damit wollte er nichts zu tun haben.

Aber er gerät in die Krise seines Lebens –

Im Fischbauch erkennt er:

Das war der falsche Weg.

Mein Weg ist der, den Gott mir seist.

Auch ein schwerer Weg kann Gottes Plan sein.

Und so kommt es zu diesem zweiten Auftrag, den wir in der Lesung gehört haben.

Nun geht Jona – und forert von den Menschen in Ninive Umkehr.

Er selbst war umgekehrt – nun konnte er glaubhaft die Menschen aufrütteln und sie glaubten – kehrte um und Gott in seiner Liebe nahm ihr Umkehr – nah all dem Böen, was dort gewesen sein muss – an.

In die Krise des eigenen Lebens geraten – das kennt wohl jeder und jede von uns.

Ob das eine Krankheit ist, ob es Aussichtlosigkeit oder Hilflosigkeit ist – Krisen gehören zum Leben dazu. Dann sitzen wir in einer dunklen Höhle und wissen nicht weiter, werden vielleicht sogar depressiv; Finsternis umgibt uns …. Und darin – das sehen wir bei Jona: kann ein Hinweis Gottes verborgen sein.

Jona erkennt im Bauch des Fisches, dass sein Weg, seine Weise, das Leben zu interpretieren, nicht in Ordnung war.

Jona erkennt, dass in seiner Krise Gott ihm jetzt eine neue Chance bietet.

Er nimmt das, was ihm vorher so schwer fiel, an – und darin wirkt Gott dann Leben. Für ihn und für die Menschen in Ninive.

Nehmen wir die dunklen Stunden unseres Leben, auch eine Krankheit oder eine Aussichtslosigkeit an, um neu auf Gott zuhören.

Darin kann eine neue Zukunft für das eigene Leben stecken.

Eine neue Zukunft – die gab es auch für die jungen Männer im Evangelium.

Die hatten ein sicheres Leben. Hätten sich auf Neues nicht einlassen müssen. Auch steckten sie nicht in der Krise.

Aber sie hörten den Ruf Jesu: Die Zeit ist erfüllt. Das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um.

3 Impulse auf einmal! – das war viel.

Die Fischer  - zuerst Petrus und Andrea – wiegen sich nicht in der Sicherheit ihres Lebens. Sie spüren plötzlich:

Nun ist etwas Neues dran.

Zwar hatten sie Beruft und damit Auskommen.

Hatten eine Familie im Hintergrund –

Dennoch:

Die Worte Jesu brachten sie in Bewegung:

+ sie ließen los, was ihnen bisher Sicherheit gab.

+ sie ließen Jesu Wort auf sich wirken.

+ sie standen auf, änderten ihre Richtung

+ sie fanden etwas, was sie so begeisterte, das sie andre mitreißen konnten.

Heute, jeden Sonntag im Gottesdienst, hören wir Worte Jesu.

Sie wollen uns auch ganz tief im Herzen erreichen.

Dass wir uns einmal umdrehen, einen neuen Blick einnehmen.

Dass wir unsere Lebenssituation neu sehen – mit den Augen Jesu.

Dass wir  vielleicht auch unsere Wertigkeiten, unsere Prioritäten und Standpunkte loslassen und uns der Sichtweise Jesu zuwenden.

Kehrt um – das ist der Ruf an uns,

unser Leben neu zu bewerten – und neu auszurichten,

Jesus zu trauen.

Kehrt um – das ist der Ruf Jesu an uns,

mit neuen Augen zu sehen – und Neues zu wgen, anzunehmen.

Vielleicht muss es gar nicht so weit kommen, wie bei Jona

Vielleicht müssen wir nicht in eine Lebenskrise geraten –

Aber Jesu Ruf,

dass sich die Zeit erfüllt,

dass die eigene Lebenszeit Erfüllung erfahren kann, wenn  man Jesus neu in den Blick nimmt,

dass bleibt allemal.

Ein neuer Blick –

Das kann sein, dass ich anders über mein Altwerden denke,

das kann sein, dass ich meine Krankheit annehmen  und so keine Anergie unnötig verbrauche mit dem Aufbäumen und verweigern.

Das kann sein, dass ich nicht länger Klage über meinen Partner oder über die Jungen, sondern ihnen zugestehe, dass sie die Welt anders sehen –

das kostet viel weniger Nerven.

Das kann sein, dass ich nicht ständig von mir erzähle, sodass auch andre Menschen mit mir ins Gespräch kommen können, wenn ich eine Hörende werde.

Das könnte sein, wenn mein Jammern einstelle und lerne, mich mit all meinen Begrenztheiten Gott anzuvertrauen.

 Das könnte auch sein, dass ich nicht länger alles, die ganze Welt nur schlimm sehe, sondern aus der Hoffnung und aus Zuversicht leben lerne

Dann finden wir Erfüllung und Zufriedenheit. Wir spüren etwas von dem, was Jesus  sagte: Das Reich Gottes ist nahe – der Friede Gottes zieht in uns ein –

Zwar haben wir dann nicht den Himmel auf Erden – aber in uns breitet sich ein wenig von dem neuen Leben aus, zu dem wir in der Taufe schon berufen sind.

Lassen wir uns also rufen – damit unser Leben in die richtige Richtung führt.

Lassen wir uns rufen damit wir erst mal erkennen, wo wir in einer Sackgasse stecken – oder zumindest Gefahr laufen, in eine Sackgasse hineinzuleben. Je eher wir uns dem Reich Gottes öffnen, desto weniger gerät unser Leben in eine Sackgasse. Je eher wir Jesus ganz neu vertrauen, desto  eher werden wir zu Menschen, die anderen wohl tuen – und sie neugierig machen auf unsere Kraft – und Lebensquelle: Jesus.

 

Darstellung des Herrn - 2. Februar

 

Simeon – kein Schwarzseher – ein Lichtseher.

Simeon – keiner, der den Teufel an die Wand malt – einer, der Gottes Heilswirken erkennt

Simeon – kein resignierter Zeitgenosse seiner Zeit - ein Lichtbote

Was müssen wir vielleicht ändern in unserem Leben,

dass wir wieder das Licht sehen, nicht die Dunkelheit?

.. dass wir überhaupt wieder Heilsperspektiven haben, also Sehnsucht nach Gotteserfahrung in uns verspüren, statt uns mit dem aufscheuchenden Alltag zufrieden zu geben?

.. dass wir Gottes Verheißung für unser Leben wieder ernst nehmen,

statt den Teufel an die Wand zu malen ob dieser Welt?

…dass wir wieder selbst von Gott reden können, nicht in festgefahrenen Floskeln, sondern lebendig, aus eigener Erfahrung und Studium der Hl. Schrift,

statt zu schweigen, weil wir nichts mehr zu erzählen haben von unserem Glauben?

Was müssen wir vielleicht ändern in unserem Leben? – das ist die Grundfrage an diesem Tag.

Dass wir selbst zu Lichtboten werden, statt über die Finsternis zu klagen,

statt schwarz zu sehen?

Vielleicht sind wir noch nicht so weit wie der alte Simeon:

Er war erfüllt von Sehnsucht nach Gott.

Fehlt uns die vielleicht?

Finden wir uns ab mit alten Ritualen, bekannten Worten, vorgeformten Gebeten,

statt mit unserer ganzen Existenz uns von Gott einzufinden und abhängig zu machen?

… finden wir uns mit dem Gelernten ab, statt Gott ganz neu in unsere Lebenssituation heute hineinreden zu lassen?

.. finden wir uns ab mit dem früher Gelernten, statt immer wieder neu Gottes Wort zu befragen?

Was müssen wir vielleicht ändern in unserem Leben?

Simeon war ein Mensch des Lichtes, der nicht schwarz sah, sondern Licht; der nicht hoffnungslos wurde und resignierte angesichts der Verhältnisse, sondern sich sicher war der Treue Gottes…. Der vor Gottes Angesicht sein Leben bewusst lebte – sich nicht in der Oberflächlichkeit und Trübsal der Welt verlor.

Wenn wir nicht endlich aufhören zu klagen, zu jammern, uns zu ängstigen und alles als schlimm anzusehen, was bei uns, in unserem Land, auch im eigenen Leben geschieht,

wird sich Gottes Licht nicht offenbaren.

Es liegt an uns,

die Hoffnung zu leben und auszusprechen.

Diese Hoffnung haben wir als Christen aufgetragen bekommen.

Denn Ostern sagt uns:

Nach der Finsternis kommt wieder Licht.

Nach der Bedrängnis kommt wieder Befreiung.

Nach Schrecken kommt wieder Aufatmen

… wenn wir Hoffnung leben und selbst verbreiten.

Schließen wir uns Simeon an,

werden wir zu Licht-Boten.

 

Dreifaltigkeitssonntag - Trinitatis

 

Gott ist dreifaltig - und Einer...

Wie schwer ist das Verstehen,wenn wir von der Dreifaltigkeit, der Trinität sprechen.Bei allen Erklärungen, die wir versuchen, bleibt Gott doch ein Geheimnis –

Und es ist gut, dass wir IHN nicht erklären können. Dann hätten wir IHN im Griff. So aber bleibt er der unverfügbar Liebende und Schaffende… und nicht manupilierbar.

In Äthiopien  gibt es ein wunderbares Wort,

das uns ein wenig helfen kann:

Es heißt:

"Gott ist dreifaltig –

nicht dreifach;

vergleichbar mit der Sonne:

der Kreis ist Gott Vater,

das Licht ist Gott Sohn,

die Wärme ist der Heilige Geist"

Die Sonne, sie existiert und ist als runde Scheibe für uns zu sehen, man kann sie aber nicht wirklich anschauen, das würde unsere Augen erblinden lassen – aber sie ist da, Grundlage unseres Lebens – So ist Gott, der Schöpfer und Vater unsere Lebensgrundlage. Wir dürfen sicher sein, dass unser Leben von IHM her gewollt und geliebt ist – auch wenn wir IHN nicht sehen können.

Die Sonne, sie bringt Licht in unser Leben. Wir sind nicht der Finsternis ausgesetzt. Können uns orientieren. Zwar können wir die Sonnenscheibe nicht anschauen, aber das Licht gibt uns die Sicherheit, dass sie da ist und es gut mit uns meint.  – So ist uns Jesus zum Lichtbringer geworden, der sich jenen zuneigt, die bedürftig sind, die am Rande leben, die hoffnungslos aufgegeben haben, die im Leben und im Tod mit den Schatten und Dunkelheiten ihres Lebens kämpfen. Wir dürfen im Wort Jesu und im Brot, das er uns reicht, in seinem Sterben und Auferstehen das Licht unseres Lebens erfahren. Können weitersehen und haben Orientierung.

Die Sonne, sie wärmt und die ganze Schöpfung lebt von dieser Energie. – So ist der Heilige Geist die Lebensenergie Gottes, die uns gegeben ist. Sein Trost, sein Mut, seine Weisheit und seine Freude ist die göttliche Lebenskraft, die wir so nötig brauchen, wenn wir zum Leben finden wollen, nicht im Klagen und Verzweifeln stecken bleiben möchten.

"Gott ist dreifaltig –

nicht dreifach;

vergleichbar mit der Sonne:

die runde Scheibe ist Gott Vater,

das Licht ist Gott Sohn,

die Wärme ist der Heilige Geist"

Freilich,

wir machen uns damit kein Bild von Gott –

Gott ist nicht die Sonne,

er ist der Schöpfer auch dieses wunderbaren Sterns.

Aber im Bild der Sonne geht uns etwas auf von unserem Gott, der uns doch alle so sehr ins Herz geschlossen hat.

Nach dem Islam ist Allah der Einsame … wie ungnädig können einsame Menschen sein! Wie verbittert und fordernd, wie autoritär und ichbezogen!

Das Bild von der Dreifaltigkeit sagt uns:

Wir dürfen uns darauf verlassen:

Gott ist unsere Herkunft, unser Ursprung, unsere Heimat, eine Heimat der unvoreingenommenen Liebe, dsr umsorgenden  und fürsorgenden Lebens.

Gott zeigt dieses Gesicht, das menschliche Angesicht Gottes in Jesus, damit alle Menschen es erkennen können, ihm nicht mit Angst begegnen müssen.

Gott gibt uns für die Gegenwart seine liebesmächtige und tröstende Gotteskraft, dass wir im Jetzt bestehen und die Hoffnung auf das Leben in der Vollendung bei Gott nicht verlieren.

 

4. Sonntag der Osterzeit - Hirtensonntag

 

Lassen wir das Bild vom guten Hirten, das Jesus im Evangelium entwirft, vor unserem inneren Auge entstehen – und malen wir es aus. Malen wir es aus mit den Lebensfarben unseres Alltages. 

Da gibt es Zeitgenossen, die einsteigen – In unsere Gedankenwelt,

in unsere Werteordnung,in unsere Empfindungen und Ängste.

Da gibt es Zeitgenossen, die einbrechen in unser Vertrauen, in unsere Zuversicht und in unser Sicherheitsgefühl.

Da wird etwas zerstört, was uns bislang gut getan hat, was uns getragen und zuversichtlich gemacht hat.

Da wird etwas in uns zerstört,  dass wir uns zunehmend unsicher und ängstlich fühlen im Leben.

Die Geborgenheit ist weg. – 

Sie kommen nicht auf redlichem Weg, demokratisch, in der Auseinandersetzung mit wahren Argumenten und sachlichen Informationen zu uns, sondern sie bombardieren die Gesellschaft mit Falschmeldungen,

mit Angstparolen, mit Beschimpfungen und angeblichen Gefahren.

Wie nutzen nicht den Weg einer fairen Auseinandersetzung, nehmen sich und ihre eigenen Probleme als Maßstab, verlieren den Blick zum Nächsten, verdrängen ihr eigenes Scheitern, werfen Versagen und Misswirtschaft jenen vor, die mit großer Anstrengung das Wohl der Gesellschaft suchen. 

Sie merken – Es geht nicht mehr um Schafe, es geht um Menschen. Es geht um uns.

Wir erleben in unserer Gesellschaft momentan viele falsche Hirten, viele, die verführen und verwirren, vom Weg der Wahrheit und der Sicherheit abbringen.

Für uns als Christen muss das Bild nicht so traurig und trostlos bleiben. Jesus, der Auferstandene, weist uns einen anderen Weg. Mehr noch: er geht mit uns als der gute Hirte.  

Jesus sagt: Er ist der gute Hirte.

Er kommt nicht, uns zu verführen.

Er kommt nicht mit einfachen Antworten und scharfen Parolen.

Jesus bequatscht uns nicht, sondern führt uns zur Freiheit der Kinder Gottes.

Er ist barmherzig und will unser Vertrauen stärken.

Jesus ist der gute Hirte, der uns auch nicht falsche Tatsachen vorgaukelt.

Er ist keiner, der uns das Leben rosarot malt, wenn wir nur ihm folgen.

Er ist keiner, der demagogisch beeinflusst oder indoktriniert.

 

Jesus ist der gute Hirte, der uns keine Irrwege führt.

Wenn er uns führt, dann dürfen wir vertrauen.

Mit seinem eigenen Weg durch Leid und Tod in das neue Leben hat er bezeugt:

Er flieht nicht, wenn es  schwer wird.

Er gibt nicht auf, wenn die Hürden hoch und das Leben gefährdet ist.

Jesus ist stark durch sein Vertrauen in den Himmlischen Vater.

Allein diese Stärke ist es, mit der er uns leiten kann.

Sein Leben, sein Vorbild, seine Wort …. All das gibt uns Sicherheit.

Denn er lehnt sich nicht auf gegen Gemeinschaft und gegen Menschen.

Er lehnt sich auf gegen Ungerechtigkeit und Unbarmherzigkeit.

Er will, dass Gemeinschaft gelingt,

dass das Leben der Menschen gelingt

 – dafür setzt er sich ein , setzt er sogar sein Leben ein. 

Jesus ist der gute Hirte.

Seine Weise, zu lieben, zu vertrauen,

zu teilen und barmherzig zu sein,

das ist der Weg, wie Leben gelingt.

Seine Weise, die Wahrheit zu leben,

zu heilen statt zu zerstören,

das ist der Weg, den er uns weist.

Seine Weise, wie er in Krisen und Gefahr standhaft bleibt,

weist ihn aus als einen, der nicht den Kopf verliert und andere mit in den Abgrund reißt – wie es viele Zeitgenossen momentan tun – 

Jesus ist der gute Hirte.

Vertrauen wir ihm.

Beten wir in diesen Tagen vermehrt zu ihm, dass er uns, unsere Gesellschaft gut führt, dass er den Frieden Europas bewahrt, dass er alle  Demagogen unserer Zeit behutsam leitet.

Und:

Kümmern wir uns wieder verstärkt um Gottes Wort, dass wir sein Wort kennen. Denn wer Gottes Wort nicht kennt, wird leicht verführt. Wer Gottes Stimme nicht erkennt in den vielen Stimmen dieser Zeit, wird schnell irregeführt. 

„:..denn sie kennen seine Stimme“ heißt es im Evangelium.

Lassen wir uns von Jesus leiten, nicht von den vielen fremden Stimmen, die uns in die Irre führen. Jesus ist der gute Hirte, der seine Schafe kennt. - Kennen wir seine Stimme?

 

 

Ostern

 

Aufstand gegen den Tod

auf stand ER –

lassen wir uns mitreißen,

stehen wir auf

gegen Dumpfheit und Resignation,

gegen Hoffnungslosigkeit und Lebensüberdruss,

gegen Egoismus und Borniertheit,

gegen Schwarzmalerei und todbringendes Aufbegehren,

gegen destruktiven Widerstand

Ostern –

auf stand der Herr,

lassen wir uns mitreißen

hinein ins Hoffnungsleben


 

Predigt am 2. Sonntag der Osterzeit - 23.4.2017

 

Und – habe ich Ihnen zu viel versprochen? … haben Sie es bemerkt? Wir kommen in der Bibel vor!

Hier meint Jesus uns, jeden von uns. - im Evangelium vom "ungläubigen Thomas". 

„Selig, die nicht sehen und doch glauben!“

Wir gehören zu denen, die Jesus nach der Auferstehung nicht begegnet sind.

… und doch glauben. Sonst wären wir heute Morgen nicht hier.

 

2000 Jahre trennen uns von dem geheimnisvollen Ereignis in Jerusalem.

Thomas hatte damals schon Mühe.

Was andere erzählten – Jesus sei auferstanden – das wollte ihm nicht in den Kopf hinein.

Aber vielleicht kann das auch gar nicht in den Kopf hinein. 

Das, was damals in Jerusalem geschehen ist, ist Geheimnis.,

Geheimnis unseres christlichen Glaubens.

Wenn unser Kopf das erfassen könnte, wenn wir das mit Gleichung und Mathematischer Formel ergründen könnten, wenn wir fassen könnten, was damals geschehen ist, wäre es von dieser Welt. 

Aber Auferstehung ist nicht von dieser Welt. Auferstehung ist göttlich.

Neues Leben, überhaupt Leben, ist göttlich.  

Nicht zu fassen bekamen es die Frauen am Grab.

Nicht zu fassen war es für die Jünger, die nur die Binden vorfanden….

Und dann fordert dieser Thomas, die Wunden anfassen zu können! 

Jesus ist ihm sehr weit entgegen gekommen.

Er ist plötzlich da.

Er braucht nicht Tür und Tor,

er braucht nicht den Handschlag, mit dem wir bis heute Menschen begrüßen – und damit ausdrücken:

du bist mir willkommen. 

Jesus ist auf andere Weise da.

Dort, wo Menschen zweifeln, fragen und nach ihm suchen.

Dort, wo Menschen mit seiner Auferstehung rechnen.

Dort, wo Menschen zusammen sind, um ihren Glauben zu feiern – oder zu klären.

… und auch dort, wo wir sind. Heute! 

So war das damals.

Thomas hatte zu klären.

Thomas war verunsichert.

Deshalb fragte er.

Deshalb rang er mit sich selbst und den Vorstellungen, die einem so im Kopf sind. 

Dass wir oft vom „Ungläubigen Thomas“ sprechen,

scheint mir überheblich und auch falsch.

Thomas will ja glauben.

Thomas hat nicht abgeschlossen mit all den Ungereimtheiten.

Thomas stellt die Fragen, die ihm helfen, Jesus auf neue Weise zu erkennen.

Thomas greift das Erlebte auf und bringt es mit Gott in Verbindung.

Thomas schämt sich nicht seiner Unsicherheit.

Das ist Glaube. 

Wer sich im Leben darauf einstellt, dass Jesus immer wieder neu zu sehen ist, der lebt als österlicher Mensch.

Wer sich im Leben darauf einstellt, dass Jesus nicht zu fassen ist, der steht in den Fußstapfen derer, die die Auferstehung Jesu miterlebt haben.

Wer sich im Leben seine Fragen und Zweifel nicht verbieten lässt, der kommt Jesus nahe. 

Denn gerade das ist Ostern –

Jesus neu zu erleben, als den, der da ist,

unfassbar,

nicht beweisbar,

nicht greifbar. 

Gerade das ist Ostern,

wenn wir nicht an den Äußerlichkeiten hängen bleiben.

Wenn wir uns nicht auf Wunden und Narben festlegen.

Wenn wir uns nicht allein auf unseren Verstand, unsere Sinne und Gelerntes verlassen. 

Jesus wird überall da, immer wieder dort lebendig, wo Menschen das Unfassbare mit dem Herzen aufnehmen und sich überwältigen lassen.

Glaube ist Faszination.

Glaube ist Staunen.

Glaube ist auch Ringen.

 

Thomas fällt auf die Knie.

Ganz am Boden,

ganz unten findet er zu der neuen Sichtweise,

dem österlichen Blick.

Wer nicht ganz runterkommt,

wer nicht die Höhe seiner Bedenken und Besserwissereien verlässt,

der wird Jesus nicht lebendig erfahren in seinem Leben. 

Ja, Jesus lebt.

Das habe ich nicht studiert,

das habe ich nicht erforscht.

Das habe ich nicht einfach nachgeplappert.

 

Jesus lebt,

weil ich mich auf das Unvorstellbare eingelassen habe.

Ich sehe IHN mit neuen Augen,

mit den Augen des Herzens,

mit Augen, die Geheimnisse erahnen können.

Ich erkenne IHN in meinem Leben.

 

Und, mehr noch:

Ich erkenne, dass das, was er durchlebt und durchlitten hat, in meinem Leben seine Spuren hinterlässt:

Der Weg geht immer durch Leid in die Erlösung.

Durch Scheitern in eine neue Zukunft,

durch Niederlagen zum  Aufstand ins neue Lebens,

durch das Dunkel hindurch ins Licht der Erkenntnis und der Freude. 

Thomas scheint  in seiner bedeutsamen Herausforderung den neuen Weg zu finden.

Am Ende braucht er das Anfassen nicht mehr.

Das Handfeste ist nicht mehr Grund seines Glaubens.

Dass sein Herz angerührt ist, dass lässt ihn bekennen: Mein Herr und mein  Gott!“ 

Und jetzt sind wir dran: 

„Selig, die nicht sehen und doch glauben!“

Das sind wir, die wir gar keine Chance mehr haben, Jesus auf den Prüfstand zu stellen. 

Wir haben nichts in der Hand.

Wir haben nichts, was wir greifen könnten.

Aber wir haben unser Herz, das sprechen kann.

Wenn wir uns - - egal ob mit Fragen oder Protest, mit Unsicherheit oder Unglaube Jesus zuwenden,

dann erfahren wir –- da bin ich ganz sicher –dass Jesus uns sagt: „Friede sei mit dir!“ 

Wir brauchen keine Zeichen,

wir brauchen nichts Greifbares….

Wir brauchen nur die Ehrlichkeit vor Jesus, IHM unser Innerstes zu offenbaren.   

Und doch hat uns Jesus etwas hinterlassen,

weil er unser Bedürfnis kennt, alles be-greifen zu müssen: 

ER gab Brot.

Brot, das stärkt und Gemeinschaft stiftet.

Brot, das uns einen Geschmack davon gibt, wie es ist, wenn alle, - wirklich alle -

auch Sünder und Schwache, Kranke und Gesunde,

Weiße und Schwarze, Mächtige und Geringe, gebildete und einfache Menschen,

bei ihm gemeinsam am Tisch sitzen.

Brot, das greifbar ist – und doch verbirgt.

Es ist das Brot, das wir in der Kommunion empfangen. 

Dann wird Ostern - wenn wir Mahl halten und –- wie Thomas – nicht mehr Wunden sehen müssen,

sondern Jesus als den Auferstanden erkennen im Brot, in der Gemeinschaft, in der Tiefe unseres Lebens – auch in den Fragen unseres Lebens.  

Selig, die nicht sehen und doch glauben.

Selig, wir alle, die wir nicht sehen und doch glauben.- 

… wir kommen also tatsächlich in der Bibel vor!

 


 

Predigt zum Karfreitag

 

 

Hier vorne steht ein großes Kreuz – vielleicht erkennen Sie:

Es ist ein solches Kreuz, wie es auch oft bei einer Beerdigung auf dem Friedhof auf dem Grab steht. 

Schon immer haben Menschen ihren eigenen Tod mit dem Tod Jesu verbunden.

Die Lebensdaten werden aufgeschrieben – vor dem Todesdatum steht ein Kreuz. 

Heute nun der Tag, an dem wir des Kreuzestodes Jesu gedenken.

Der Tod am Kreuz war zur damaligen Zeit die Bestrafung für Verbrecher.

Sie haben Jesus unter die Verbrecher gezählt. 

Warum?

Wir, die wir an ihn glauben, wir können das kaum verstehen.

Jesus damals wie heute – er eckt an.

- weil er zur Wahrheit steht

- weil er sich der Armen annimmt und die Reichen kritisiert

- weil er Gott an die erste Stelle seines Handelns setzt

- weil er die Mächtigen der Welt kritisiert

- weil er unbequem ist und Gerechtigkeit fordert.

… und das ganz konsequent. 

Er geht seinen Weg unbeirrt – nur immer im Vertrauen dass Gott mit ihm ist –auch wenn die Menschen gegen ihn sind. 

Das hat ihn das Leben gekostet. 

Nicht, dass Gott seinen Tod wollte –

Aber wer konsequent und ohne sich zu drücken für Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe lebt,

wird unbequem. 

Jesus war unbequem

Und er brachte ein Bild von Gott mit, das irritiert hat. 

Gott, nicht der  strafende, sondern der liebende.

Gott, nicht der rächende, sondern der barmherzige.

Gott nicht der, der mit Gesetz und Überwachung droht, sondern der die Erniedrigten erhöh, die Mächtigen aber von ihrem hohen Ross herunter holt. Das hat ihn das Leben gekostet.

… aber gerade dadurch wurde er uns zur Hoffnung:

Wir sind in unserer Schwachheit nicht allein, nicht gottverlassen. Gott ist mit uns – das macht er offenbar.

Wir sind in unserer Einsamkeit nicht auf uns selbst gestellt. – Jesus war auch verlassen, und doch im himmlischen Vater geborgen.

Auch wenn sein Schrei am Kreuz – „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ seine äußerste Verzweiflung ausdrückt – er wirft sich in seiner Verzweiflung in Gottes Hände. – damit wir lernen, wie wir mit Bedrängnis ud Tod umgehen dürfen.

Wir dürfen zu Gott schreien, auch zweifeln! 

Das Kreuz Jesu ist die Brücke aus der Not in die Erlösung.

Und sein Tod ist der Weg hinüber auf die andere Seite. 

… und das gilt auch für uns. 

Deshalb verehren wir nicht nur das Kreuz, sondern nehmen es uns als Zeichen der Rettung und der Hoffnung. Wie ein Anker, an dem wir uns festhalten können, so ist das Kreuz uns gegeben für die schwierigsten Stunden des Lebens  genauso wie für den Alltag. Deshalb stellen wir auch auf unser Grab ein solches Kreuz – Bekenntnis, dass wir mit Jesus auf die göttliche Rettung hoffen und nicht resignieren. 

Hier beim Kreuz liegen viele kleine Kreuze – Zeichen dafür, dass wir, dass alle Menschen Leid und Not und auch den Tod kennen; nicht ausweichen können. 

Jeder mag sich heute ein Kreuz davon mitnehmen.

Erinnerung: ich bin nicht allein mit meiner Not und meine Elend, mit meiner Schwachheit – und auch dann nicht, wenn ich sterbe.Nehmen Sie das kleine Kreuz wie einen Anker – halten sie sich daran fest und verbinden sie sich mit Jesus. Und bedenken Sie: auch auf Ihrem grab kann ein solches Zeichen als Zeichen der Hoffnung stehen.

 

Fastenpredigt in Hochheim am 19. März

 

 

153 Fische –

Ich weiß nicht, ob Sie dieser tierischen Angabe einen biblischen Text zuordnen können. ????

Einige werden damit den österlichen Text aus dem Joh verbinden. – Joh 21 ist ein später Nachtrag….

Will man diesen, will man überhaupt biblische Texte in ihrer Tiefe verstehen, muss man sich mit der Sprache und den Orten befassen, auf die biblische Texte sich beziehen. Das ist in diesem Fall besonders spannend. Es gibt mehrere Schichten, die es heute gilt aufzudecken.  

1. Fangen wir hinten an Joh 21

Der Österliche Text nennt 153 Fische, die im Netz waren, als der Auferstandene den Jüngern im Alltag wieder erscheint. Früher wurde diese Zahl gedeutet als Zahl der damals bekannten Fische – und damit verbunden als Auftrag, alle Welt zu missionieren.

Aber das greift viel zu kurz.

Wer sich ein wenig mit der biblischen Sprache beschäftigt hat, weiß, dass im Hebräischen die Buchstaben auch Zahlen sind. Wertet man die Zahl 153 danach aus, kommt man auf das Wort, den Namen Nebo.

Hier greifen wir also nun zurück auf das erste Testament.

 2. der Blick ins erste Testament

Berg Nebo – auf diesen Berg wurde Mose geführt, in einer Vision, in einer inneren Schau zeigt Gott ihm das verheißene Land. Die Wüstenwanderung ging zu Ende. Neues Land, neues Leben, die Zukunft  tat sich auf. Der Berg Nebo ist für das Volk Israel gewissermaßen der Scheidepunkt. Das alte Sklavenleben liegt nun hinter ihnen, die Ära des Mose geht zu Ende, die Zukunft, von Gott eröffnet, beginnt. Was wir so oft als Landnahme unter Josua benennen, ist in Wirklichkeit Landgabe – Gott gibt – Land und damit Zukunft. Aufbruch in eine neue Zeit ist angesagt.

Der Durchzug des Volkes durch das Wasser steht für die Transformation, die Umwandlung des Volkes Israel zum Gottesvolk. Es ist eine Rettungstat Gottes – und für das Volk ein Existenzwechsel.

Der Berg Nebo steht im jüdischen Verständnis für Ort des Überganges. Und als solches ist er die Folie, auf der wir unsere ntl. Texte lesen dürfen.

 3. ntl. Orte

Diesem Ort verbunden ist der ntl. Ort bzw. die österliche Begebenheit. Von ihnen aus ergeht die österliche Botschaft an uns.  Aber auch ein anderer Ort ist auf der Folie de atl. Zusammenhangs zu lesen. Wir hören darüber mehr.

4. 153 Fisch am See Genezareth nach der Auferstehung

Im JohText verbirgt sich auf diesem Hintergrund eine tiefere Wahrheit:

Wenn die Jünger nach der Auferstehung, zurück im Alltag, hier am See mit 153 Fischen konfrontiert werden, dann steckt darin eine Zukunftsbotschaft:

Ihr, die Jünger, die ihr noch trauert, nicht genau wisst, was ihr mit all den Ereignissen anfangen sollt – ihr steht in der Zeit des Überganges. Jetzt, mit Ostern, hat eine neue Zeit begonnen. Durch die Auferstehung Jesu hat die Zeit der Unfreiheit ein Ende; die Auferstehung Jesu eröffnet eine neue Lebensperspektive – und das mitten im Alltag. Alltag war für die Fischer die Existenz am See von Tiberias. Alltag für uns ist das, was uns angetragen ist. Genau hier will Jesus da sein. Den ICH-BIN verkörpern. Realisieren.  Auch, wenn Jesus nicht immer zu erkennen ist. Jesu Sieg über den Tod eröffnet Zukunft, neues Leben; das ganz alltägliche Leben ist nun ganz neu zu sehen und zu leben. Das Rettungshandeln Gottes an seinem Volk wird – neu - an Ostern offenbar.

Die 153 Fische sind Träger einer verborgenen Wahrheit – Wahrheit, die entschlüsselt werden muss. Wie im eigenen Leben. Auch da ist Gottes Botschaft nicht immer deutlich. Wir müssen uns die Mühe machen, tiefer zu hören, weiter zu schauen, Neues in Betracht zu nehmen, uns nicht festzulegen auf das Althergebrachte. Müssen den Blick wenden, in eine andere Richtung denken und schauen – und auch hoffen. Müssen bereit sein zum Aufbruch. … zum inneren Auf-brechen. (Lutherjahr, neue Bibelübersetzungen)

 5. … und nun noch einmal zu dem Ort des Berges Nebo.

Ich hatte angedeutet, dass dieser Ort eine weitere ntl. Begebenheit in ihrer Bedeutung vertieft.

Der Berg liegt nahe dem Jordan, gegenüber von Jericho. Dort am Ufer hat – nach dem Johannesevangelium - Jesus getauft: in Bethanien, jenseits des Jordan, also auf der östlichen Seite. Eben nahe dem Nebo.

Für das Volk Israel war diese Gegend explizit eine symbolträchtige Ortsangabe. Zum einen – wie schon gehört – hatte hier Mose das neue Land gesehen. Zum anderen war hier Eija aus dieser Welt geschieden und in eine neue Daseinsweise aufgestiegen (Feuerwagen). Und der Durchzug durch das Wasser begründete eine neue Existenz für die Stämme – hin zum Gottesvolk.

Wenn Johannes hier tauft, wenn Jesus hier getauft wird, dann wird deutlich: Mit der Taufe eröffnet sich neues Land, neues Leben. Und hier geschieht göttliches Rettungshandeln. Mit der Taufe lassen wir das Alte hinter uns, beginnen neu. Taufe ist Aufbruch in eine neue Existenzweise.

Das galt zuerst einmal für die Bußtaufe des Johannes. Sein Ruf zur Umkehr sollte ins neue Leben führen. Wie Josua das Volk durch den Jordan führt, so steht Johannes für den Aufbruch in eine neue Zeit.  – das war für die Juden damals sofort zu verstehen, zu deuten. Wenn sie zur Taufe an den Jordan kamen, dann hatten sie das im Hinterkopf. Sie verstanden das symbolische im Tun des Johannes.  Das gilt aber auch für die Taufe Jesu – und damit im Übertragenen Sinn auch für unsere Taufe.  

Jesus hört: Dies ist mein geliebter Sohn. Der Himmel tut sich auf. Erde und Himmel verbinden sich. Gott ist heruntergekommen an die Seite der Sünder – damit beginnt eine neue Zeit. Jesu Taufe und damit Zurüstung  ist der Start für seine Berufung und seine Botschaft.  

Für unsere Taufe bedeutet das:

Wir sind in ein neues Leben hineingerufen. Es geht nicht um Kirchenzugehörigkeit, sondern um Berufung zum neuen, erlösten Leben! Es gibt die Vision vom neuen Land, vom Himmelreich, das sich nun eröffnet.

Mit der Taufe sind wir hineingenommen in die Vision von einer neuen Welt, die Gott hat. Die Taufe ist ein Existenzwechsel- unser Leben hat eine andere, eine göttliche Grundlage. Die Taufe bedeutet Aufbruch hinein ins Land der Hoffnung.  Und ist damit auch Berufung in mitten unseres Alltags…

 Das alles können uns die 153 Fische erzählen, wenn man genauer hinschaut, genauer hinhört.

(es gäbe übrigens  da noch eine weitere Korrespondenz zwischen Nebo und NT, wer sich auf den Weg ins Heilige Land macht, dem erschließt sich das und vieles mehr. Dann wird der Glaube spannend und das Bibellesen auch.  

Das Osterfest, auf das wir uns in diesen Tagen vorbereiten, eröffnet uns eine neue Lebensperspektive. Wir sind zur Freiheit berufen. Der Auferstandene gibt unserem Alltag eine neue Dimension: Befreiung zum Leben, Erlösung aus Gebundenheiten, Ängsten, Zwängen und Abhängigkeiten.

An Ostern werden wir diesen Text hören. An Ostern werden wir auch an unsere Taufe erinnert, werden Tauferinnerung feiern. Das fragt uns auch an:

Bin ich bereit zum Aufbruch – auch inmitten dieses Lebens, dieser Gesellschaft und ihrer Auswüchse.

Bin ich bereit zum Aufbruch – bereit, vom neuen Land und meiner Hoffnung zu künden – und danach zu leben?  

Jeder Aufbruch macht zuerst einmal Angst. Denn Altes, Vertrautes muss abgebrochen werden. Und während ich aufbreche, weiß ich noch nicht, was auf mich zukommt. Aber in jedem Aufbruch steckt auch Verheißung; Verheißung von etwas Neuem, nie Dagewesenem.

Wer nicht immer wieder aufbricht, das neue Leben – das österliche Leben – wagt, dessen Leben erstarrt. Lassen Sie uns in diesem Sinn auf Ostern zugehen und dann die Befreiung und Erlösung zum neuen Leben feiern.

Und lassen wir uns nachdenklich machen von einem Wort Gandhis: „Christen müssten erlöster aussehen“. Ergänzen wir es: … und müssten erlöster handeln und inmitten der Gesellschaft leben.

"Ihr seid neu geboren worden, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen: aus Gottes Wort, das lebt und das bleibt." (1 Petr.

 

 

Sonntagspredigt am 23. März - 4. Sonntag der Fastenzeit A - Laetare

 

Der Blinde hat gesehen.

Es gibt noch ein anderes Sehen als das mit den Augen.

 

Es ist das Sehen des Herzens.

Der mit Augen Blinde erkennt mit seinem Herzen mehr als all die Frommen und gelehrten.

Er erkennt in Jesus Gott. 

Mit dem Herzen sehen,

das ist zuerst einmal eine Fähigkeit Gottes.

Deshalb ist auch der kleine unbedarfte Samuel ausgewählt worden (Lesung).

Gott sieht mit dem Herzen.

Er nutzt nicht die Augen um abzurechnen, zu vergleichen,

um Maß anzulegen oder zu bewerten, was er sieht.

Er nutzt nicht die Augen, um zu messen und Liste zu führen über unsere Taten und Untaten.  

ER sieht mit dem Herzen.

Das Herz sagt ihm –

* bei David, dem unbedeutenden Hirtenjungen: das ist der, auf den ich mich verlassen kann – auch wenn er klein, unerfahren – aber gottesfürchtig ist und vertrauen kann.

So wurde der Kleine zum großen König. 

Gott sieht mit dem Herzen.

Das Herz sagt ihm –

* beim Blinden: dieser Mensch schiebt nicht Schuld auf andere; er macht sein Schicksal nicht von anderen abhängig; er vertraut einfach darauf, dass Jesus ihn sieht.

So wurde der Blinde sehend. Vor allem sehend mit dem Herzen:

er erkannte in Jesus Gott und lernte zu vertrauen.

Er, der sich als Behinderter vor den Menschen zurückzog, er wurde selbstbewusst.

ER, der als Behinderter von den Menschen scheel angesehen wurde, er kann in die Öffentlichkeit treten und Jesus als Retter bezeugen. 

Er sieht weiter, als manche sehen, deren Augen gesund sind.

Er sieht in Jesus Gott.

Das einzige, was er dazu tun musste:

Er musste vertrauen, blind vertrauen. 

Beide Geschichten zeigen uns: 

Da kommt Freude auf, wo Menschen lernen, Gott zu vertrauen.

Da kommt Freude auf, wo Menschen mit den Augen Gottes sehen und nicht auf das Äußerliche. 

Da kommt Freude auf, wenn Menschen sehen, dass Gott immer wieder  für sie da ist. 

Da kommt Freude auf, wenn Menschen auch ihre Sünde, ihre Schuld, ihre Kleinheit und ihren Mangel an Vertrauen anschauen können und damit getrost vor Gott kommen. 

Er führt aus der Finsternis hinaus - im Leben. Und auch im Tod. 

Laetare – der Sonntag heute -  erinnert uns daran:

Auf dem Weg zum Osterfest, auf dem Weg zur Hoffnung gibt es – wenn wir ehrlich mit uns selbst sind - viele kleine Dunkelheiten und Blindheit, den Tode und Gräber, mit denen wir uns rumschlagen. Doch:

Jesus will uns befreien. Wenn wir nur mit dem Herzen sehen, dann sehen wir mehr.  

Jetzt schon – und dann an Ostern von der letzten Dunkelheit, der Todesangst. 

Mitten in der Bußzeit bis Ostern werden wir erinnert.
Gott hat uns zur Freude berufen.

Diese Freude erwächst dann, wenn wir uns auch mit den blinden und finstern Seiten des Lebens Gott zuwenden.

ER macht heil.

ER vergibt Schwachheit und Zweifel.

Er erleuchtet und lässt neu sehen

Wagen wir, uns ihm anzuvertrauen.

 

Sonntagspredigt am 2. April - 5. Sonntag

 

„Jetzt ist alles aus. -

Keine Hoffnung mehr. -

Nichts geht mehr. -

Aus und vorbei… -

Das war´s …“ 

So oder ähnlich sprechen Menschen, die am Ende ihrer Hoffnungen sind. 

Das ist mehr als Resignation.

Das ist Aufgabe aller Hoffnung,

Aufgabe des Lebenswillens,

Aufgabe seiner selbst.

Da ist Hingabe an das Nichts.

Es gibt keine Vorstellung mehr, wie es weitergehen könnte.

Man sitzt fest in dem Gedanken, dass nichts mehr geht; hat dabei nicht die Offenheit dafür, dass es weitergehen kann, anders … dass das Leben weitergehen könnte. 

In diesem Text heute von den trauernden Schwestern, für die alles aus ist, erleben wir: für Gott kann es weitergehen. Wer sich Jesus anvertraut, der bekommt eine  neue, vielleicht unbekannte Perspektive.

Wer sich auf Jesus verlässt, der sieht weiter, sieht mehr, sieht über die Aussichtslosigkeit hinaus.  

Trauen wir Jesus in unserem Alltag zu, dass er neuen Blick, neues Leben, neue Lebendigkeit, neue Wege eröffnet?

Wer glaubt, muss nicht verzagen und nicht aufgeben. 

Wenn Jesus von sich sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ – dann meint er damit nicht zuerst ein Leben nach dem Tod. Er will uns sagen:

Schaut auf mich: ich stehe immer wieder auf, wenn ich am Boden bin, wenn ich angefochten und erniedrigt wurde.

Ich schaue immer wieder nach vorne, auch wenn es so aussichtslos scheint.

Ich schaue immer wieder zum himmlischen Vater – das gibt mir die Kraft zum Leben. Es ist mehr als ein vages Prinzip Hoffnung!

Wo ein schicksalsergebenes Hoffnungsprinzip und das allgerühmte „positive Denken“ aufhört, da beginnt der lebendige Gott.

Positives Denken holt die Kraft aus sich selbst. Das hält auf die Dauer nicht stand.

Die Hoffnung aber, die wir auf Gott setzen, verlässt sich auf die Lebenskraft des einen Gottes. 

„Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt“!

„Der Mensch denkt, Gott lenkt!“

Sagt der Volksmund.

Dahinter steckt eine große Wahrheit:

Wenn wir uns nicht nur auf uns selbst verlassen, sonern übre uns hinaus der göttlichen Lebenskraft trauen, dann sind wir, wenn unsere Möglichkeiten am Ende sind, noch lange nicht am Ende. 

Dass Lazarus aus dem Grab herauskommt steht für uns als Botschaft:

Steh auf, tritt heraus aus deinem Grab der Angst, der Resignation und der Hoffnngslosigkeit.

Tritt heraus aus der Dunkelheit, die dich umgibt und gehe Jesus entgegen.

Mit ihm kannst du weitergehen

- mit deinen Sorgen, mit deinen Fragen, mit all den Unsicherheiten des Lebens. 

Jesus hat dies kurz vor seinem eigenen Leiden offenbar gemacht am Grab des Lazarus.

Er will damit verdeutlichen, dass sein Weg durch den Tod ins neue Leben  mehr ist, als die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod.

Es ist die Botschaft vom Aufstehen können. Jesus ermutigt uns, aufzustehen, wenn wir noch so weit unten angekomen sind; wenn es noch so dunkel, noch so traurig, noch so perspektivlos ist. „aufstehen“ – es ist im biblischen Text das gleiche Wort wie am Ostersonntag. Wo wir „Auferstehung“ sagen, da steht im Urtext „er stand auf“ – Jesus lebt den Aufstand gegen alles, was uns die Lebenskraft raubt.

Wenn wir ihm trauen, brauchen wir nie mehr „aus und vorbei“ zu denken oder zu sagen. 

Diese Botschaft am Grab des Lazarus und an Ostern ist schon früh verwurzelt in der Heiligen Schrift des Judentums. Wir haben eine Ahnung davon bekommen in der Lesung.

Der Prophet Ezechiel ist ein Priester und Prophet, der Ende des sechsten Jahrhunderts vor Christus in der Verbannung in Babylon gewirkt hat. Er spricht mitten hinein in die Aussichtslosigkeit eines ganzen Volkes. Wir hörten einen Ausschnitt aus der bekannten Prophezeiung von der Erweckung der Totengebeine. Die Hoffnungslosigkeit und Resignation seiner Volksgenossen, die an eine Heimkehr nicht mehr glauben können, wird mit einem Grab verglichen. Der Geist des Ewigen - des Ich-bin-da-für-euch - aber schafft sein Volk neu und macht es wieder lebendig. Der Prophet versucht, ihren Blick auf Gott zu richten. Wo menschlich gesehen alles zu Ende ist, kann Gott neues Leben schaffen, über alles menschliche Erwarten oder Resignieren hinaus. 

Das macht uns Christen aus: wir sind nicht dem Schicksal ausgeliefert. Sind nicht am Ende, wenn es am Ende scheint.

Wir sind in Gottes Obhut. Er weiß immer einen Weg, der weiterführt – manchmal anders, als wir uns das vorstellen. Aber immer so, dass es gut für uns ist.

Wer aus diesem Vertrauen lebt, braucht sich nicht in Sorgen zu zerfleischen.

Wer aus diesem Vertrauen heraus lebt, muss auch in gesellschaftlich schwieriger Zeit nicht in Schockstarre verfallen oder sich populistischen Reden anschließen, Angst verbreiten und die bestehende Ordnung in Frage stellen.

Wer aus diesem Vertrauen lebt, kann in Krankheit, in einer plötzlichen schlimmen Diagnose oder wegen einer furchtbaren Nachricht nicht zu verzweifeln. 

„Nichts soll dich beunruhigen, nichts muss dich ängstigen, wer Gott hat, dem fehlt es an nichts. Gott allein genügt“ sagt die Hl. Therese.

Wir widerstehen dem Bösen und allem Schweren in dem wir hoffen, vertrauen und uns Gott anvertrauen. Indem wir auf Jesus schauen – er ist der Aufstand gegen jedes „Aus und vorbei“. Er ist das Leben. 

Unsere Rede sei also nicht „Alles vorbei“, sondern „Gott, du weißt weiter, wo ich nicht weiter sehen kann.“